Sexualität nach Brustkrebs
Wenn sich Intimität und Körpergefühl verändern
Eine Brustkrebserkrankung verändert vieles im Leben – körperlich, emotional und auch in der Partnerschaft.
Viele Frauen berichten nach der Behandlung von Veränderungen ihrer Sexualität: Die Lust ist geringer, Berührungen fühlen sich anders an oder Sex wird schmerzhaft. Manche fühlen sich im eigenen Körper fremd oder weniger attraktiv.
Solche Veränderungen sind sehr häufig, werden aber im medizinischen Alltag noch immer zu selten angesprochen. Viele Frauen bleiben mit ihren Fragen und Sorgen allein.
In meiner Praxis für Sexualmedizin in Düsseldorf begleite ich Frauen nach einer Brustkrebserkrankung dabei, wieder einen guten Zugang zu ihrem Körper, ihrer Sexualität und ihrer Partnerschaft zu finden – einfühlsam, medizinisch fundiert und in einem geschützten Rahmen.
Wie Brustkrebs die Sexualität beeinflussen kann
Sexualität ist ein komplexes Zusammenspiel aus körperlichen, hormonellen, emotionalen und partnerschaftlichen Faktoren. Eine Brustkrebserkrankung kann daher auf verschiedenen Ebenen Veränderungen mit sich bringen.
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Scheidentrockenheit
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Veränderungen des Körpergefühls
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Unsicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper
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Schwierigkeiten in der Partnerschaft oder Intimität
Nicht jede Frau erlebt diese Veränderungen – aber viele.
Manchmal treten sie während der Behandlung auf, manchmal erst Monate oder Jahre später.
Wichtig zu wissen: Sexuelle Beschwerden nach Brustkrebs sind behandelbar.
Körperliche Veränderungen durch Therapie
Brustkrebsbehandlungen können verschiedene körperliche Auswirkungen haben, die sich auf die Sexualität auswirken.
Hormontherapie
Viele Frauen erhalten eine antihormonelle Therapie (z. B. Tamoxifen oder Aromatasehemmer). Diese Medikamente senken den Östrogenspiegel im Körper.
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Scheidentrockenheit
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dünnere Schleimhäute
Diese Beschwerden können sehr belastend sein, lassen sich jedoch häufig gut behandeln.
Chemotherapie
Auch eine Chemotherapie kann Einfluss auf die Sexualität haben.
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vorübergehende oder dauerhafte Wechseljahre
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Müdigkeit und Erschöpfung
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veränderte Körperwahrnehmung
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reduzierte Libido
Gerade wenn die Behandlung intensive körperliche Belastungen mit sich bringt, rückt Sexualität verständlicherweise zunächst in den Hintergrund.
Operationen und Veränderungen der Brust
Die Brust ist für viele Frauen eng mit Weiblichkeit, Körpergefühl und Sexualität verbunden.
Nach Operationen kann es zu Veränderungen kommen wie:
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Narben
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Sensibilitätsstörungen
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Veränderungen der Brustform
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Mastektomie oder Brustrekonstruktion
Diese Veränderungen können Einfluss darauf haben, wie Frauen ihren Körper erleben und wie sie Berührungen wahrnehmen.
Viele Frauen brauchen Zeit, um ein neues Verhältnis zu ihrem Körper zu entwickeln.
Wenn die Lust verloren geht
Ein häufiges Thema nach Brustkrebs ist der Verlust der sexuellen Lust.
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körperliches Wohlbefinden
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emotionale Sicherheit
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Selbstwertgefühl
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Beziehungserleben
Nach einer schweren Erkrankung kann es völlig normal sein, dass diese Faktoren zunächst aus dem Gleichgewicht geraten.
Manche Frauen berichten, dass Sexualität sich plötzlich „weit weg“ anfühlt oder keine Rolle mehr spielt. Andere wünschen sich zwar Nähe, haben aber Schwierigkeiten, wieder Zugang zu Lust oder Erregung zu finden.
Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, Sie dabei zu unterstützen – zum Beispiel durch ein besseres Verständnis der körperlichen Veränderungen, gezielte Übungen zur Wahrnehmung und Erregung sowie durch Gespräche, die emotionale Sicherheit und Selbstvertrauen stärken.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Durch hormonelle Veränderungen kann die Vaginalschleimhaut trockener und empfindlicher werden.
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Brennen oder Stechen beim Sex
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Schmerzen beim Eindringen
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Gefühl von Trockenheit
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kleine Verletzungen der Schleimhaut
Diese Beschwerden können dazu führen, dass Sexualität zunehmend vermieden wird.
Wichtig ist: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind kein Zustand, mit dem man sich abfinden muss. Es gibt verschiedene medizinische und sexualtherapeutische Möglichkeiten, die hier Unterstützung bieten.
In der sexualmedizinischen Behandlung werden zunächst mögliche körperliche Ursachen – wie hormonelle Veränderungen der Vaginalschleimhaut – berücksichtigt und bei Bedarf gezielt behandelt, zum Beispiel durch lokale hormonelle Unterstützung oder geeignete pflegende Maßnahmen.
Gleichzeitig geht es darum, einen neuen, schrittweisen Zugang zu Berührung und Sexualität zu entwickeln – ohne Druck und angepasst an die individuelle Situation. Dazu gehören unter anderem Übungen zur Entspannung und Wahrnehmung des Beckenbodens, ein achtsamer Aufbau von Intimität sowie – wenn gewünscht – die Einbeziehung des Partners.
Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, wieder mehr Sicherheit im eigenen Körper zu entwickeln und langfristig auch Lust und Nähe wieder entstehen zu lassen.
Veränderungen des Körperbildes
Nach Brustkrebs verändert sich für viele Frauen die Beziehung zum eigenen Körper.
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„Ich fühle mich nicht mehr attraktiv.“
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„Mein Körper ist nicht mehr derselbe.“
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„Ich schäme mich für meine Narben.“
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„Mein Partner sieht mich jetzt anders.“
Diese Gefühle sind verständlich und kommen sehr häufig vor.
In der sexualmedizinischen Begleitung geht es darum, die eigene Körperwahrnehmung schrittweise zu stärken, belastende Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern sowie einen neuen Zugang zu Berührung und Intimität zu entwickeln. Dazu gehören unter anderem körperorientierte Übungen, achtsamkeitsbasierte Ansätze und – wenn gewünscht – auch die Einbeziehung des Partners. Ziel ist es, den eigenen Körper wieder als verlässlich, spürbar und annehmbar zu erleben.
Sexualität in der Partnerschaft
Auch für Partnerschaften kann eine Krebserkrankung eine große Herausforderung sein.
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Darf ich Berührungen initiieren?
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Könnte ich Schmerzen verursachen?
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Wie kann ich Nähe zeigen, ohne Druck aufzubauen?
Manchmal entsteht dadurch eine vorsichtige Distanz, obwohl beide sich eigentlich Nähe wünschen.
In der sexualmedizinischen Begleitung geht es deshalb nicht nur um den Körper, sondern auch um die Beziehung: Wie kann Kommunikation wieder leichter werden? Wie können Berührungen neu gestaltet werden – ohne Angst vor Schmerz oder Zurückweisung? Und wie kann Intimität wieder entstehen, ohne Druck oder Erwartungen zu erfüllen?
Wenn gewünscht, wird der Partner aktiv in den Prozess einbezogen. Gemeinsam können neue Wege entwickelt werden, Nähe, Vertrauen und auch sexuelle Lust wieder wachsen zu lassen – in einem Tempo, das für beide stimmig ist.
Häufige Fragen nach Brustkrebs
Viele Frauen stellen sich nach der Behandlung ähnliche Fragen:
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Wann darf ich wieder Sex haben?
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Ist Sexualität während der Hormontherapie möglich?
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Was kann ich gegen Scheidentrockenheit tun?
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Wie kann ich meine Lust wiederfinden?
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Wie kann ich mich wieder wohl in meinem Körper fühlen?
Diese Fragen sind absolut berechtigt – und für viele Frauen gleichzeitig mit Unsicherheit oder Scham verbunden. Häufig entsteht das Gefühl, mit diesen Themen „allein“ zu sein oder keinen passenden Rahmen zu haben, um sie anzusprechen.
In der medizinischen Versorgung liegt der Fokus verständlicherweise zunächst auf der Behandlung der Erkrankung. Themen wie Sexualität, Körperwahrnehmung oder partnerschaftliche Veränderungen geraten dabei jedoch oft in den Hintergrund – obwohl sie für die Lebensqualität eine große Rolle spielen.
Die sexualmedizinische Beratung schließt genau diese Lücke: Sie verbindet medizinisches Wissen über körperliche Veränderungen mit einem offenen Blick auf persönliche, emotionale und partnerschaftliche Aspekte der Sexualität. So können individuelle Fragen differenziert geklärt und neue Perspektiven im Umgang mit dem eigenen Körper und der Sexualität nach der Erkrankung entwickelt werden.
Sexualmedizinische Unterstützung
In einem ersten Gespräch geht es zunächst darum, Ihre individuelle Situation in Ruhe zu verstehen: Welche Veränderungen haben Sie erlebt? Welche Beschwerden stehen im Vordergrund? Und welche Fragen oder Unsicherheiten beschäftigen Sie aktuell?
Darauf aufbauend können wir gemeinsam anschauen:
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welche körperlichen Veränderungen eine Rolle spielen
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welche Behandlungen oder Therapien hilfreich sein können
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wie Sie wieder Zugang zu Lust und Intimität finden können
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wie Sie sich in Ihrem Körper wieder sicherer fühlen können
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welche Rolle die Partnerschaft spielt
Sie bestimmen dabei jederzeit, welche Themen Sie ansprechen möchten und was sich für Sie stimmig anfühlt.
Ziel ist es, Orientierung zu geben, Zusammenhänge verständlich zu machen und gemeinsam konkrete nächste Schritte zu entwickeln, die zu Ihrer persönlichen Situation passen.
Mögliche Behandlungsansätze
Je nach Situation können unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein.
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medizinische Behandlung von Scheidentrockenheit
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Beratung zu hormonfreien Therapieoptionen
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sexualtherapeutische Gespräche
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Körperwahrnehmungsübungen
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Unterstützung für Paare
Oft geht es nicht darum, „zur alten Sexualität zurückzukehren“, sondern eine neue, stimmige Form von Intimität zu entwickeln. Viele Frauen erleben es als entlastend, den Druck loszulassen, dass „alles wieder so sein muss wie früher“. Stattdessen kann sich Schritt für Schritt ein neuer Zugang zu Nähe, Körperlichkeit und Sexualität entwickeln – angepasst an die eigenen Bedürfnisse und die veränderte Lebenssituation.
Dabei kann es hilfreich sein, diesen Prozess nicht alleine gehen zu müssen, sondern ihn fachlich begleitet und in einem geschützten Rahmen zu gestalten.
Wann eine sexualmedizinische Beratung sinnvoll sein kann
Eine Beratung kann hilfreich sein, wenn Sie zum Beispiel:
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nach Brustkrebs keine Lust mehr auf Sexualität haben
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sich in Ihrem Körper unsicher fühlen
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Schwierigkeiten in Ihrer Partnerschaft entstehen
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Fragen zur Sexualität nach der Behandlung haben
Manchmal reicht schon ein einzelnes Gespräch, um neue Perspektiven zu gewinnen. In anderen Fällen kann eine etwas längere Begleitung sinnvoll sein.
Sexualität darf wieder Platz haben
Nach einer Krebserkrankung stehen zunächst viele andere Themen im Vordergrund:
Behandlung, Gesundheit, Alltag.
Doch irgendwann stellt sich für viele Frauen die Frage, wie es mit der eigenen Sexualität weitergehen kann.
Sexualität ist ein wichtiger Teil von Lebensqualität, Nähe und Selbstwahrnehmung. Sie darf auch nach einer schweren Erkrankung wieder Raum bekommen. Dabei geht es nicht darum, Erwartungen zu erfüllen oder „funktionieren“ zu müssen. Sondern darum, den eigenen Körper wieder wahrzunehmen, sich selbst neu zu begegnen und herauszufinden, was sich jetzt stimmig anfühlt.
Dieser Weg kann verunsichern – und gleichzeitig eine Möglichkeit sein, Sexualität neu und vielleicht sogar bewusster zu erleben. Sie müssen ihn nicht alleine gehen
Beratung in meiner Praxis für Sexualmedizin in Düsseldorf
In meiner Praxis begleite ich Frauen mit sexuellen Beschwerden in verschiedenen Lebenssituationen – auch nach einer Brustkrebserkrankung.
Mir ist wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem Sie offen über Ihre Beschwerden, Fragen und Unsicherheiten sprechen können – ohne Scham oder Zeitdruck.
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medizinisches Fachwissen aus Gynäkologie und Sexualmedizin
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einfühlsame Gesprächsführung
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einen geschützten, vertrauensvollen Rahmen
Im gemeinsamen Gespräch nehmen wir uns Zeit, Ihre individuelle Situation zu verstehen und einzuordnen. Darauf aufbauend entwickeln wir mögliche nächste Schritte – angepasst an Ihre Beschwerden, Ihre Lebenssituation und Ihre persönlichen Bedürfnisse.
Sie müssen nichts „vorbereiten“ oder bereits genau wissen, was Sie sagen möchten – oft ist es schon ein erster wichtiger Schritt, die eigenen Fragen überhaupt aussprechen zu können.
Termin vereinbaren
Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich Ihre Sexualität nach Brustkrebs verändert hat und Sie sich Unterstützung wünschen, können Sie gerne einen Termin in meiner Praxis vereinbaren.
In einem ersten Gespräch haben Sie Raum, Ihre Fragen und Erfahrungen zu schildern. Gemeinsam können wir besprechen, welche nächsten Schritte für Sie passend sein könnten.
